Burgruine Winneburg, Cochem

Rund vier Kilometer vom Stadtzentrum Cochem entfernt erhebt sich auf einer Anhöhe über dem Endertbachtal die Burgruine Winneburg.

Die Winneburg im Endertbachtal. Foto: Zender
Sie war früher ein strategisch wichtiger Posten zu den Bergen der Eifel und des Hinterlandes von Trier. Man erreicht die Ruine über einen windungsreichen Aufstieg vom Enderttal aus.

Zur Geschichte:
Um die Entstehung der Winneburg (auch Winnenburg) rankt sich eine schauerliche Sage. Ein einheimischer Baumeister sollte auf den Befehl des Grafen eine stolze Festung erbauen. Als die Vollendung des Werkes sich aber immer weiter hinzog, drohte der Graf dem bisherigen Leiter des Baus, einen anderen Meister aus Koblenz kommen zu lassen. Um dieser Schande zu entfliehen, wollte sich der Baumeister in die Fluten der Mosel stürzen. Da erschien ihm der Teufel und versprach ihm, die Burg selbst aufzubauen, wenn er ihm seine Tochter zum Opfer bringe. Darüber hinaus verhieß er dem Meister Ruhm, Reichtum und Macht. Verführt durch dieses verlockende Angebot schritt dieser zur finsteren Tat. Um Mitternacht brachte er seine Tochter zum Felssporn hinauf und schloß sie bei lebendigem Leib in die Grundmauern ein. Der Teufel nahte und hielt sein Versprechen.
Historisch gesichert ist, daß die Winneburg Ende des 13. Jahrhunderts erbaut wurde. Erstmals urkundlich erwähnt wurde sie im Jahre 1304 in einem Vertrag zwischen Wirich von Wunnenberg und dem Erzbischof von Trier Dieter von Nassau. Nach der Hochzeit Cunos I., Sohn des Burgherrn Wirich von Wunneberg, mit Lisa von Braunshorn im Jahre 1330 wurde die Burg erweitert und mit einer Kapelle ausgestattet, die 1333 einen päpstlichen Abaß erhielt. Im 15. Jahrhundert wurde sie erneut ausgebaut. 1637 starb das Geschlecht der Winneburger (Wunneberger) mit Wilhelm von Winneburg als letztem Vertreter aus.
Seit Mitte des 17. Jahrhunderts war die Burg im Besitz der Familie von Metternich, aus der der spätere österrechische Staatskanzler Fürst Clemens Lothar von Metternich hervorging. Das rheinische Adelsgeschlecht derer von Metternich taucht erstmals im 14. Jahrhundert auf. Benannt ist es nach einem Dorf bei Weilerswist. Im 16. und 17. Jahrhundert gingen aus dem Geschlecht mehrere geistliche Kurfürsten hervor.
1688 besetzten Truppen Ludwigs XIV. die Winneburg. Ein Jahr später ereilte sie das gleiche Schicksal wie Burg Beilstein. Am 16. Mai 1689 wurde sie von den Franzosen in die Luft gesprengt. Die Ruine wurde zusammen mit dem 1704 angelegten Winnenburger Hof 1806 als französisches Nationalgut eingezogen und anschließend für 4400 Francs an den Kaufmann W. Meyer aus Mayen in der Eifel versteigert. 1832 kaufte sie Fürst Clemens Lothar von Metternich zurück und ließ sein Wappen daran anbringen, das im Revolutionsjahr 1848 demontiert wurde. 1935 erhielt die Stadt Cochem die Burg als Schenkung von der Familie Metternich. Noch heute befindet sie sich in ihrem Besitz.
  
Der Innenhof der Burg. Foto: Heinz Peierl
Die Anlage:
Erhalten sind von der Winneburg Bergfried, der Palas mit zwei fast in voller Höhe erhaltenen Halbtürmen, die Torhalle und der vordere Burghof der ersten Anlage aus dem 13. Jahrhundert. Aus dem 15. Jahrhundert existieren noch Reste von Wohngebäuden und Wirtschaftsgebäuden und die Zwingermauern mit Flankentürmen der Vorburg.
Die Winneburg weist eine größte Ausdehnung von etwa 110 mal 80 Meter auf. Sie war durch einen tief in den Felsen gesprengten Graben geschützt. Durch den Auswurf entstand ein etwa 60 Meter langer Außenwall. Auf das Burggelände gelangt man durch die neun Meter lange, tonnengewölbte Torhalle an der Südseite. Den Westteil der Kuppe nimmt die ältere Burg mit dem Palas, dem Bergfried und dem eigenen Hof (vorderer Burghof) ein. Der große Burghof (innerer Burghof) verjüngt sich nach Südosten.

Blick nach Cochem. Foto: Heinz Peierl
In der Torhallenwand links ist eine vermauerte Tür zu einer kleinen Vorhalle des Palas zu sehen. Der Palas ist knapp 20 Meter lang und neun Meter breit. Früher wurde er von einem Satteldach abgedeckt. Ein Palasportal ist dem oberen Burghof zugewandt. An der westlichen Kurzseite des Palas stehen noch zwei starke Halbtürme in fast voller Höhe. Von der Südfront des Palas existieren noch zwei Fensterachsen in fast voller Höhe. Auf der noch etwa fünf Meter hohen Norwestecke ist die Mauer für eine Mauertreppe verstärkt, die über einen Holzsteg in den Bergfried führte.
Der runde Bergfried besitzt einen Durchmesser von 8 Meter und eine Höhe von 22 Meter. Die Mauerstärke beträgt 2,40 Meter. Das 8,50 Meter hohe Erdgeschoß diente als Gefängnisraum. In einer Höhe von 15 Meter liegt auf der Hofseite eine rundgeschlossene Wehrgangstür. Hier befand sich ein Aufenthaltsraum mit Kamin. Das darüberliegende Geschoß ist mit Aussichtsfenstern versehen.
Von dem Burgmannshaus in der Nordwestecke des oberen Burghofes sind nur noch das Mauerwerk auf der Seite beim Bergfried und die tonnengewölbten Fundamentreste erhalten. Die in Resten noch zu erkennenden Wohn- und Wirtschaftsgebäude wurden bei der Erweiterung der Burg im 15. Jahrhundert errichtet. Sie nehmen mit dem inneren Burghof die östliche Hälfte der Anlage ein.
  
Veranstaltungen:
Auf der Winneburg werden jedes Jahr mehrmals in den Sommermonaten Ritterrunden veranstaltet.
Los geht es in Cochem ab dem Marktplatz in einer einstündigen Wanderung in Begleitung der Cochemer Bürgerwehr bis zur Burgruine wo ein echt "ritterliches" Unterhaltungsprogramm mit Musik, kostümierten Rittern und einfacher Verpflegung für Groß und Klein abgehalten wird. Im Kreise einer musikalischen Ritterschar können sich Gäste den mittelalterlichen Klängen und kulinarischen Leckerbissen hingeben, die für einige Stunden die Neuzeit vergessen lassen.
Die Veranstaltungen finden im Freien statt, da die Burgruine nicht überdacht ist. Auch an die kleinen Gäste ist gedacht. Für sie gibt es eine eigene Kinderritterrunde.

Kontakt:
Stadtverwaltung Cochem
Am Markt
56812 Cochem
Tel.: 0 26 71 / 60 90

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